Soziales Crowdsourcing

Ein paar Worte
zu Beginn


Crowdsourcing bezeichnet die Auslagerung von Teilaufgaben an eine große Masse verschiedener, unabhängiger Internetnutzer. Es wird beispielsweise für Produkttests oder Ideengenerierung eingesetzt. Dafür gibt es entsprechende Plattformen, auf denen Aufgaben online eingestellt und bearbeitet werden können.

»Semantisch ist der Begriff mit Outsourcing verwandt, welches den Vorgang beschreibt, wenn ein Unternehmen einen Teil der Arbeit an einen externen Dienstleister auslagert.«

Durch die enorme Flexibilität und geringe Einstiegshürden, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich das Phänomen in Zukunft weiter ausbreiten wird. Crowdworker, die Arbeiter im Bereich Crowdsourcing, haben bisher mit schlechter Bezahlung und unfairen Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Dabei sind viele auf diese Form von Arbeit angewiesen und lassen sich ausbeuten.

Unsere sechs Schlüsselfaktoren für
soziales und faires Crowdsourcing:


  Die Entlohnung ist wohl der wichtigste Faktor, wenn es um Crowdsourcing im Bereich des Mikrojobbings geht. Gleichzeitig ist die Frage nach Entlohnung auch die am schwersten zu beantwortende, da das subjektive Empfinden was fair bedeutet sehr unterschiedlich ist und die individuellen Assoziationen selten deckungsgleich sind. Um eine Diskussion über das Thema zu ermöglichen wurde eine eigene Definition geschaffen.

»Crowdsourcing sollte ein Individuum in dem Maße entlohnen, dass die Entlohnung dem aus der Motivation abgeleiteten Bedürfnis gerecht wird.«

Als Rahmen wird hierbei vorgeschlagen, dass sich der Stundenlohn in vielen Ländern am jeweiligen Mindestlohn orientieren kann und diesen nicht übermäßig unterschreiten sollte.


  Die Möglichkeit Rückmeldung zu Aufgaben, Aufgabenstellungen oder anderen Prozessbestandteilen zu geben ist nicht nur ein menschliches Bedürfnis, sondern kann auch die Arbeitsqualität und Arbeitsgeschwindigkeit positiv beeinflussen. Wird ein solcher Mechanismus aber zu komplex, ist das Gegenteil der Fall. Die Möglichkeit Feedback zu geben, wird bereits in unterschiedlicher Form von den meisten Plattformen angeboten. Dennoch findet sich hier großes Optimierungspotenzial. Es ist sehr wichtig, dass beim Crowdworking beiden Parteien die Möglichkeit gegeben wird, Feedback zu vergeben und zu erhalten.

»Wird die Möglichkeit des Feedbacks richtig angewandt, so kann sie Crowdworker motivieren und Vertrauen zwischen diesen und ihren Auftraggebern schaffen.«

Dabei ist mit Feedback nicht ausschließlich die Bewertung nach Abschluss der Aufgaben gemeint, schließlich kann es bereits viel früher im Verlauf des Prozesses positive Auswirkungen geben und schlussendlich profitieren beide Seiten davon.


  Unter Entmenschlichung wird im Kontext des Crowdsourcings die Darstellung der arbeitenden Menschen als Maschinen oder Algorithmen verstanden. Da der Begriff Entmenschlichung nur bis zu einem gewissen Grad objektiv bewertet werden kann und es keine allgemeingültige Definition gibt wurde eine eigene Definition erarbeitet:

»Entmenschlichung findet dann statt, wenn die Arbeit von Individuen kongruent zu einer maschinellen Dienstleistung vermittelt und dargestellt wird. Die damit einhergehenden Folgen sind die völlige Anonymität und die Nichtbeachtung menschlicher Bedürfnisse.«

Eine Folge der Entmenschlichung ist, dass Auftraggeber den Eindruck eines menschlichen Arbeitspartners verlieren und damit auch das Gefühl einer sozialen Verantwortung schwindet. Dennoch unterscheiden sich die Ansprüche zwischen den Individuen, inwieweit Kriterien erfüllt sein müssen, damit sie sich gerecht und würdig behandelt fühlen.


  Um Fragen und kleinere Probleme zu lösen, ist es hilfreich, wenn die Crowdworker sich untereinander vernetzen und austauschen können. Durch den Austausch kann auch eine Community unter Crowdworkern entstehen, welche dabei hilft, dass sie sich gegenseitig respektieren und weniger als Konkurrenten ansehen. Um möglichst viele Konflikte von vornherein zu verhindern, sollten Crowdworker und Auftraggeber in einem gleichberechtigten Verhältnis stehen. Enstehen komplexere Probleme zwischen Crowdworkern, so müssen es faire Möglichkeiten geschaffen werden, um sie zu lösen.

»Die Frage ist also, wie schafft man es den Crowdworkern mehr Rechte und Optionen zuzugestehen und zeitgleich die Attraktivität der Plattformen für Auftraggeber zu wahren?«

Betrachtet man diese Umstände, so wird schnell klar, dass man durch die Herstellung von Gleichberechtigung vielen Konflikten vorbeugen kann. Sollte es doch einmal zu Konflikten kommen, so müssen Rahmenbedingungen zur Konfliktbeseitigung gegeben sein.


  Für die Motivation der Arbeiter ist es von enormer Wichtigkeit, dass das Gefühl des Festsitzens zu vermeiden. Erfahrung und gute Leistung sollten belohnt werden. Außerdem ist es wünschenswert, dass den Crowdworkern Weiterbildungsmaßnahmen angeboten werden und vorhandene Kenntnisse und Fähigkeiten berücksichtigt werden.

»Nach der monetären Entlohnung ist das Thema Gamification das wichtigste Element, um eine Crowd zu koordinieren.«

Gamification ist jedoch auch kritisch zu betrachten, vor allem dann, wenn virtuelle Währungen echte Verdienste ersetzen und Menschen dazu bringen, ohne Lohn zu arbeiten. Gerade weil viele der Aufgaben sehr eintönig sind, können Motivationskonzepte dabei helfen, dass sich überhaupt Arbeiter finden, die diese Aufgaben übernehmen.


  Kommunikation ist einer der wichtigsten Aspekte sozialen Crowdsourcings. Dabei ist sowohl die Kommunikation aller beteiligten Personengruppen gemeint, wie auch die Kommunikation nach außen. Gerade Letzteres kann Anreize schaffen, sozialeres Crowdsourcing umzusetzen und damit zu werben. Doch wo viel kommuniziert wird, kann auch viel schief gehen. Und genau das ist eines der größten Probleme des Crowdsourcing.

»It is imperative to crowdsource-work that both sides understand each other, and the only way to get that is through communication.«

Crowdworking im Allgemeinen hat nicht den Ruf, den es verdient. Zu häufig wird ignoriert, dass Crowdworking weit mehr ist, als eine Möglichkeit um kleine, unterbezahlte Aufgaben mit geringen Anforderungen zu lösen.